Abendweg
Aus dunklen Räumen steigen stumm Gestalten Ich schließ die Augen, um sie klar zu sehn Der Neckar spiegelt graues Haar und Falten Zu wenig Zeit mich lang hier aufzuhalten Ich will den Weg im Abend weitergehn Obszöne Bilder, Filme, Augenblicke nicht wiederholbar, dem Vergessen Dank Uralte Küchenuhr mit Nervgeticke War das dein Kinderzimmer dort, ich nicke Kein Elterngrab mehr, keine Rasenbank Zu schnell vorbei die endlos leeren Stunden Zu oft ein kurzes Glück zu lang gesucht Zu gern versteckt die nie vernarbten Wunden Zu wenig Hass zu viel Geduld empfunden Zu kleine Fehler ohne Grund verflucht Nach dummem Wachtraum wirre Träume quälen ersehnte Ziele ständig nicht erreicht Kein Fenster, keine Tür in leeren Sälen Absurder Zwang zu folgen den Befehlen Bis endlich jede Nacht dem Morgen weicht Und doch: auch heiße Stunden kehren wieder Gesichter repetieren frühes Glück Ein Bad im Beifallrauschen für die Lieder Kritikerlob ringt Zwischenzweifel nieder Minutenbilder bringen Lust zurück Banales Leid an Körper Geist und Seele Und statt Jahrzehnten eine Handvoll Zeit Der Morgen schwarz, das Ende schnürt die Kehle Trotz aller überstrengen Selbstbefehle Nur kurz der Ausweg in Vergangenheit Aus Nebelschwaden steigen stumm Gestalten Mit offnen Augen kann ich sie nicht sehn Der Wunsch die guten Jahre zu behalten Als kleine Wärme gegen das Erkalten Den Abendweg statt klagen weitergehn 2017/18
Frei sein Tausend Jahre. Größenwahn. Am Ende totes Land. Ein Schwur: nie mehr Faschismus, nie mehr Krieg. 80 Jahre später die Zeichen an der Wand, die AFD bei Wahlen Sieg um Sieg. Geld und Gier und Geiz und Hass: Werte dieser Zeit in der Welt und in der Bundesrepublik. Ich bin ratlos, was ich tun kann, seit die Drohung wieder heißt: Wir müssen tüchtig werden für den Krieg. Frei sein heißt auch gar nichts tun, wenn all mein Tun nichts bringt. Nichts tun ist nichts wert, doch es befreit Leben ganz im hier und jetzt, solange es noch geht Wer weiß, wie schnell regiert auch hier Gewalt und die Verlogenheit. Ob in München oder Stuttgart, ob in Frankfurt oder Köln es ging rund, und manchmal auch im Kreis. 50 Jahre Kampf im Traum von einer bess'ren Welt. Spott und Mitleid oft genug der Preis. Endlich Abschied von der Illusion und mich besonnen auf den hohen Wert rebellischer Geduld. Und ich gehe von der Bühne und ich gehe durch den Vorhang und ich fühl mich frei von Scham und frei von Schuld. Frei sein heißt auch gar nichts tun... 2024/2005 Musik: Chris Kristofferson "Me and Bobby McGhee"